Musik nimmt Schmerz und Angst

Jeder spürt es: Musik kann aufheitern und glücklich machen, aber auch nerven oder aufregen. Und sie kann noch mehr: Bei Operationen eingesetzt, lindert eine Melodie oft Schmerzen und Angst.  Zu diesem Ergebnis kommen britische Wissenschaftler, die 72 Studien zu diesem Thema ausgewertet haben.
Wie die Analysen zeigen, mindert Musik sogar den Bedarf an Schmerzmitteln und macht die Patienten zufriedener. Allerdings: Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus verkürzt sich durchs Musikhören nicht, schreiben die Forscher um Catherine Meads von der Brunel University in Uxbridge in der Fachzeitschrift „The Lancet“.
An den Studien hatten fast 7000 Menschen teilgenommen. Die Wahl der Musikstücke und der Zeitpunkt der Beschallung waren nicht wichtig – die Melodien wirkten sogar bei bewusstlosen Patienten. In der Regel seien für die Tests jedoch beruhigende Musikstücke gewählt worden.

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Gingko: 300 Millionen Jahre Widerstand

Heute jährt sich das Grauen: Mit einer bis dahin unbekannten Wucht vernichtete die erste Atombombe der Geschichte am 6. August 1945 die japanische Stadt Hiroshima. In weniger als einer Minute wurden 80.000 Menschen getötet. Die Natur verglühte.
Doch es geschah ein Wunder: Nur 800 Meter vom Explosionszentrum entfernt überlebte die Wurzel eines Gingkobaums, schon ein Jahr später trieb sie wieder aus.
Wie die Stadt Wien jetzt in einer Pressemitteilung erklärt, lebt der Baum auch in Österreich weiter – als Ableger. Der Hintergrund: Fast 70 Jahre nach dem Atombombenabwurf, im Mai 2012, hatte Wien Post aus Hiroshima erhalten. Die Organisation „Green Legacy Hiroshima“ schickte Samen eben dieses besonderen Baumes. Die Wiener Stadtgärtner pflegten den Ableger liebevoll und pflanzten ihn im Ginkgo-Goethe-Garten aus. Anlässlich des 70. Jahrestags des Atombombenabwurfes wird heute neben dem Bäumchen eine Gedenktafel enthüllt.
Auch in Wien trotzt der Ginkgo mit seiner Kraft und Widerstandsfähigkeit allen Zumutungen, die ihm in seinem 300 Millionen Jahre alten Lebens begegnet sind.
Übrigens: Altmeister Goethe hat das Bäumchen zeitlebens verehrt. Das beweisen in Weimar nicht nur unzählige Samentüten, die mit seinem Konterfei geschmückt sind, und zahlungswillige Touristen anlocken sollen.
Auch sein Gedicht „Gingo Biloba“ wird immer mal wieder gerne zitiert, ist es doch ebenso schön wie geheimnisvoll und hier in der Urfassung zu lesen:

Gingo Biloba

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut,

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?

Solche Frage zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?

Johann Wolfgang von Goethe

Gingko

 

Placebo: Aus der Schmuddelecke raus

Es klingt unglaublich: Jeden Morgen nehmen Patienten an der University of Alabama Pillen, die nur Zucker enthalten, also nach menschlichem Ermessen keinerlei Wirkung entfalten. Sie leiden an den Spätfolgen einer Krebsbehandlung, sind erdrückend müde und apathisch, und haben sich bereit erklärt, Forscherin Teri Hoenemeyer zu unterstützen. Sie will herausfinden, ob die Placebos Krankheitssymptome beseitigen können. Und dies, obwohl die Patienten genau wissen, dass sie nur Zuckerpillen schlucken.
Wie die Zeitschrift „Welt am Sonntag“ vom 2. August 2015 schreibt, wird Hoenemeyer unterstützt von Ted Kaptchuk, Professor für Medizin aus Harvard, der als Erster nachgewiesen hat, dass dieses Experiment erfolgreich verlaufen könnte. Er gilt als der internationale Star der Placebo-Forschung.
Und seine Arbeit zeitigt Folgen: Die „Welt am Sonntag“ zitiert den Medizinhistoriker Robert Jütte, ebenfalls Placebo-Forscher, mit dem Satz: „Das Thema ist aus der Schmuddelecke raus.“ Folglich darf er die Bundesärztekammer beraten, wie Ärzte in der täglichen Praxis den Placeboeffekt nutzen können, indem sie zum Beispiel die Verschreibung von Medikamenten mit einem einfachen Satz verstärken: „Dieses Mittel wird Ihnen sicher helfen.“
Nach Ablauf eigener Studien betont Ted Kaptchuk allerdings, dass Placebos keine Krankheiten heilen, beispielsweise Tumore schrumpfen lassen können, aber sie könnten Symptome lindern – Schmerzen, Erschöpfung, Atemnot – weil die Pillen bestimmte Areale im Gehirn aktivierten.
Kurzum: Placebos wirken über die Erwartungshaltung des Patienten.

Das Frohnhauser Wunder

Es gibt sie noch, die kleinen Wunder, diese Alltagswunder sozusagen. Zumindest in Essen-Frohnhausen. Im dortigen Frohnhauser Park baumeln die Bäume im Glück, denn dort tragen sie derzeit Wunschzettel von allen, die noch so etwas wie Wünsche haben. Es können auch Träume sein, wie zum Beispiel der Traum vom bunten Frohnhausen, das blumenbekränzt der rauen Wirklichkeit trotzt. Auch eine Kletterwand wäre toll, finden zumindest die Jugendlichen, oder eine Reparatur des Zauns am Kindergarten.
Zunächst hängen die Wünsche nur als Zettelchen am Baum, doch bald werden sich rührige Hände um das Gewünschte kümmern – mit Pflanz- und Bauaktionen. Und das Beste kommt zum Schluss: Mitte September wird an drei Tagen eine gemeinsame Garten-, Musik- und Kunstaktion starten. Wer Saxophon spielen kann, darf das dann gerne zur Untermalung tun. Es funktioniert auch mit einer Gitarre oder einfach mit Gesang.

Alle mal herhören. Essen-Frohnhausen macht’s vor: Wunderbar.

Die Universität meditiert

Die Maly-Meditation, die in der Video-Rubrik dieser Internet-Seite benannt wird, steht im Fokus einer wissenschaftlichen Arbeit. Wie die Zeitschrift „Bio – Gesundheit für Körper, Geist und Seele“ in ihrer neuesten Ausgabe schreibt, wird die Methode derzeit von Dr. Karin Meissner an der Ludwig-Maximilians-Universität in München untersucht.
Diese Form der Meditation hat einen interessanten Hintergrund. Entwickelt wurde sie von Wolfgang Maly, dem eine Zukunft im Rollstuhl prophezeit worden war. Er wollte sich nicht mit dem ärztlichen Urteil abgeben und ergriff die Initiative.
Täglich „behandelte“ er sich selbst, indem er sich vorstellte, wie heilendes Licht durch seinen Körper strömte und sein Rückenmark heilte – offensichtlich mit Erfolg.

Schutzengel in Freiburg gesichtet

Da ist sie wieder, solch eine Meldung: In Freiburg stürzte ein einjähriges Kind von einem Balkon im 3. Stock neun Meter in die Tiefe. „Wie durch ein Wunder“ titeln die Reporter oder – auch gerne benutzt: „Glück im Unglück“. Denn die Kleine überlebte. Ohne nennenswerte Verletzungen.
Ich stelle mir gerade ein Zehn-Meter-Brett im Schwimmbad vor. Einmal stand ich oben und werde das nicht vergessen, denn ich habe gekniffen. Mir war es zu hoch. So viel Mut konnte ich einfach nicht aufbringen, da runter zu springen. Kleinlaut und verschämt bin ich die Sprossen wieder runter geklettert.
Das Kind wusste nichts von Höhe und Angst. Es stürzte in die Tiefe, wurde von einem Passanten versorgt und überlebte – einfach so. Sprachlos macht das – und irgendwie glücklich.
Mir gefällt der Gedanke, dass es ihn tatsächlich gibt, diesen Schutzengel, der das Kind aufgefangen oder wenigstens ein wenig abgefedert hat, damit der Aufprall nicht so stark war. Stellen wir uns vor, er ist nicht nur bei dieser Versicherungsgesellschaft in der Fernsehwerbung angestellt, sondern tatsächlich unterwegs. Manchmal zumindest.
In Freiburg jedenfalls muss es so gewesen sein. Da hat er die Flügel weit aufgespannt. Am vergangenen Mittwoch. Im Stadtteil Wiehre. Die Nachbarn können es bezeugen.

Wundersport

Nun habe ich wochenlang die Zeitungen durchforstet und nach Wundern gesucht. Was mir jeden Tag ins Auge sprang, hat mich wirklich verwundert: Sportler und Sportreporter, eigentlich gewohnt in Zehntelsekunden zu messen und sich von Zahlen verschrecken zu lassen, glauben am ehesten an Wunder.
Wenn doch noch der Sprung in die höhere Liga geschafft wird oder ein Rennwagen wider Erwarten schneller ist, als die Konkurrenz, wird das sofort in die Kategorie Wunder gehievt.
Aber lassen wir uns nicht entmutigen. Es gibt sicherlich noch richtige Wunder.
Eines habe ich auf Mallorca gefunden, bei einem Trödler. Das Bild sprang mir sofort ins Auge, zeigt es doch ein paar wirklich alte Frauen, die keine Spur von Demenz oder Depression zeigen, keine Jenseitssehnsucht oder Trauer. Verschmitzt schauen sie auf den Maler und damit auf uns. Das Alter, so zeigen ihre blitzenden Augen, ist ein weites Feld. Und darauf gedeiht auch Fröhlichkeit, wenn wir sie nur zulassen.

Alte-Frauen