Gingko: 300 Millionen Jahre Widerstand

Heute jährt sich das Grauen: Mit einer bis dahin unbekannten Wucht vernichtete die erste Atombombe der Geschichte am 6. August 1945 die japanische Stadt Hiroshima. In weniger als einer Minute wurden 80.000 Menschen getötet. Die Natur verglühte.
Doch es geschah ein Wunder: Nur 800 Meter vom Explosionszentrum entfernt überlebte die Wurzel eines Gingkobaums, schon ein Jahr später trieb sie wieder aus.
Wie die Stadt Wien jetzt in einer Pressemitteilung erklärt, lebt der Baum auch in Österreich weiter – als Ableger. Der Hintergrund: Fast 70 Jahre nach dem Atombombenabwurf, im Mai 2012, hatte Wien Post aus Hiroshima erhalten. Die Organisation „Green Legacy Hiroshima“ schickte Samen eben dieses besonderen Baumes. Die Wiener Stadtgärtner pflegten den Ableger liebevoll und pflanzten ihn im Ginkgo-Goethe-Garten aus. Anlässlich des 70. Jahrestags des Atombombenabwurfes wird heute neben dem Bäumchen eine Gedenktafel enthüllt.
Auch in Wien trotzt der Ginkgo mit seiner Kraft und Widerstandsfähigkeit allen Zumutungen, die ihm in seinem 300 Millionen Jahre alten Lebens begegnet sind.
Übrigens: Altmeister Goethe hat das Bäumchen zeitlebens verehrt. Das beweisen in Weimar nicht nur unzählige Samentüten, die mit seinem Konterfei geschmückt sind, und zahlungswillige Touristen anlocken sollen.
Auch sein Gedicht „Gingo Biloba“ wird immer mal wieder gerne zitiert, ist es doch ebenso schön wie geheimnisvoll und hier in der Urfassung zu lesen:

Gingo Biloba

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut,

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?

Solche Frage zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?

Johann Wolfgang von Goethe

Gingko

 

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