Placebo: Aus der Schmuddelecke raus

Es klingt unglaublich: Jeden Morgen nehmen Patienten an der University of Alabama Pillen, die nur Zucker enthalten, also nach menschlichem Ermessen keinerlei Wirkung entfalten. Sie leiden an den Spätfolgen einer Krebsbehandlung, sind erdrückend müde und apathisch, und haben sich bereit erklärt, Forscherin Teri Hoenemeyer zu unterstützen. Sie will herausfinden, ob die Placebos Krankheitssymptome beseitigen können. Und dies, obwohl die Patienten genau wissen, dass sie nur Zuckerpillen schlucken.
Wie die Zeitschrift „Welt am Sonntag“ vom 2. August 2015 schreibt, wird Hoenemeyer unterstützt von Ted Kaptchuk, Professor für Medizin aus Harvard, der als Erster nachgewiesen hat, dass dieses Experiment erfolgreich verlaufen könnte. Er gilt als der internationale Star der Placebo-Forschung.
Und seine Arbeit zeitigt Folgen: Die „Welt am Sonntag“ zitiert den Medizinhistoriker Robert Jütte, ebenfalls Placebo-Forscher, mit dem Satz: „Das Thema ist aus der Schmuddelecke raus.“ Folglich darf er die Bundesärztekammer beraten, wie Ärzte in der täglichen Praxis den Placeboeffekt nutzen können, indem sie zum Beispiel die Verschreibung von Medikamenten mit einem einfachen Satz verstärken: „Dieses Mittel wird Ihnen sicher helfen.“
Nach Ablauf eigener Studien betont Ted Kaptchuk allerdings, dass Placebos keine Krankheiten heilen, beispielsweise Tumore schrumpfen lassen können, aber sie könnten Symptome lindern – Schmerzen, Erschöpfung, Atemnot – weil die Pillen bestimmte Areale im Gehirn aktivierten.
Kurzum: Placebos wirken über die Erwartungshaltung des Patienten.

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